Von SZ-Redakteur Johannes Reichert, erschienen am 28.11.2019 auf www.schwaebische.de


Eingerahmt vom Kreisverbandsvorsitzenden Rudi Hämmerle (links) und dem Leutkircher OB Hansjörg Henle werden Albert Schmid, Erhard Miller und Martin Kämmerle für 50 Jahre Blasmusik geehrt. (Foto: Johannes Reichert)

(SZ) Der volle Parkplatz am Schulzentrum Gebrazhofen hat es bewiesen: Zum Konzert der beiden Kapellen Gebrazhofen und Engerazhofen strömten die Freunde der Blasmusik. ’Der Eingang war festlich dekoriert, in der Halle Konzertbestuhlung eingerichet. In den ersten Reihen saßen der Leutkircher Oberbürgermeister Hansjörg Henle, der Verbandsvorsitzende Rudi Hämmerle und der stellvertretende Ortsvorsteher Bernhard Bareth.

Das Motto der Programmauswahl hieß „Helden und Bösewichter“. Das hielt bis zur abschließenden Zugabe durch die Gebrazhofer von „Max und Moritz“ mit Verena Klamer (Flügelhorn) und Philipp Schupp (Bariton).

Dirigent Johannes Sgier begann mit dem Thema „Wo wir uns wohlfühlen“. Das Stück hieß „Sympatria“. Nach dieser mit viel Empathie gespielten Eröffnung kam es dann zum Duell. „How to train your dragon“ orientiert sich am Kampf zwischen Wikinger und Drachen der nordischen Landschaft – wilde Töne und ruhige Passagen erzählten vom Zähmen dieses Ungeheuers. Tuba und Tenorhörner untermalten das Land im weiten Norden, unterstützt von Saxofonklängen.

Danach kündeten heftige Schläge von den Trampelschritte und dem triumphalen Geklirr der Schwerter. Am Ende waren versöhnliche Töne zu vernehmen: Ein Wikingerjunge hatte sich mit dem ehemals bösen Drachen angefreundet. Dieses Tongemälde hat die Zuhörer zehn Minuten lang mitfiebern lassen.

Zu dem übergeordneten Motto des Konzertabends passte auch die „New York Overture“ von Kees Vlak. Aufgebaut ist das Stück wie eine Sightseeing-Tour. Man ist an Soundtracks von Fred Zimmer erinnert. Herausragend darinnen: Trompetensolist Wolfgang Weiß, der leider nach 46 Jahren in der Kapelle in den verdienten Musikantenruhestand geht. Es folgte der Fliegermarsch als kleine Zugabe.

Nach der Pause versammelte Alisa Heutmann ihre 40-köpfige Truppe und ließ zur Jagd mit der „Leichten Kavallerie“ blasen. Fanfaren. Bevor es für die durstigen Musikantenkehlen anschließend an die „Tränke“ ging, kamen 28 Musikanten zu Ehrungen. Rudi Hämmerle, Vorsitzender des Kreisverbands der Blasmusik im Kreis Ravensburg, hatte viele Anstecknadeln und Urkunden im Gepäck. und lobte sogleich Leutkirchs OB Henle: „Ihre Stadt hat am meisten Blaskapellen von all den Orten im ganzen Landkreis.“ Der Oberbürgermeister sei ein toller Partner für die Blasmusik und ein politisches Schwergewicht, als es um die Erhöhung Musikschulförderung im Land gegangen sei. Zu jedem der 28 Geehrten hatte Hämmerle eine Aufzählung der Verdienste bereit, die Ehrennadeln durfte der OB anstecken.

Hansjörg Henle war jedoch an dem Abend nicht nur zum Loben erschienen, sondern konnte dem Gebrazhofener Musikverein die Bestätigung für die 130 000-Euro-Hilfe für den Bau des Probelokals geben. Solche Musikkapellen seien Aushängeschilder einer Gemeinschaft, der Zuschuss gut angelegt, auch wenn es für den Innenausbau noch viel Einsatz brauchen wird. „Es braucht weiterhin viele Scheinwerfer für die am Ausgang wartenden Spendenhäusle“, so Henle weiter.

Natürlich habe die Stadt zahlreiche Pflichtaufgaben wie Feuerwehr, Kindergarten, Schulsanierungen, die immer zuerst kämen. Die freiwilligen Aufgaben seien in der Gefahr des Sparzwangs. Denn wie alle Kommunen ist Leutkirch gezwungen, Abschreibungen zu erwirtschaften, und zwar in der Dimension von fünf Millionen Euro. Die Musikvereine seien für die Gemeinschaft unschätzbar wertvoll, sie leisten Generationen- übergreifende Integrationsarbeit. Und eine Frauenquote sei auch nicht nötig.

Nach der Pause übernahm Alisa Heutmann mit den Gebrazhofener Musikanten sicher und ausdrucksstark mit Latino-amerikanischen Rhythmen von „Maske des Zorro“. Friedlicher wird es in der „Bohemian Rhapsody“ aus dem Filmerfolg über Freddy Mercury, in einer Bearbeitung von John Berry. Dann gab es noch einmal Jagd auf Bösewichter: Filmmusik von „Pirates oft he Carribean“. Hier brachte Heutmann nochmals sämtliche Register des Klangkörpers zur Geltung.

Die Jubilare:

MK Engerazhofen:

10 Jahre: Bettina Bauer, Peter Geißler, Stefan Geißler, Franziska Kämmerle, Katja Luitz, Bernd Müller, Martin Riedle, Sebastian Riedle, Franziska Sgier, Tanja Wolf

20 Jahre: Edeltraud Geßler, Cornelia Reich, Werner Schmidberger, Johannes Sgier, Wolfgang Sipple, Simone Sgier

50 Jahre: Martin Kämmerle

10 Jahre im Amt des Schriftführers: Tanja Wolf


MK Gebrazhofen:

20 Jahre: Bernhard Baumann, Patricia Boneberger, Miriam Moller,

30 Jahre: Michael Benes, Anneliese Braun, Elke Frey, Roland Kraft,

50 Jahre: Erhard Miller, Albert Schmid 

Gebrazhofen – Eigentlich ist das Probelokal der Musikkapelle (MK) Gebrazhofen im Feuerwehrhaus schon seit fast 30 Jahren zu klein. Die rund 40 Musiker, Percussion und andere Instrumente, Notenhefte usw. fanden kaum Platz, alles war sehr beengt. Trotz intensiver Bemühungen des Vereins ließ sich keine passende Alternative finden. 2018 wurde ein schon länger geplanter Anbau bei der Stadt Leutkirch als Lösung forciert und schließlich durchgesetzt. Im November 2018 wurden 130.000 Euro Zuschuss vom Gemeinderat abgesegnet und in den Haushaltsplan 2019 aufgenommen. Nach Einreichung des Bauantrags fand am 18. Mai 2019 der Spatenstich statt. Der neue Anbau und das bestehende Probelokal sollten dann zusammen einen ca. 100 m² großen Proberaum bilden.

Zunächst wurde die Außenwand des alten Probelokals abgerissen, Decken und Wände entkernt. Auf einem neuen Fundament stellte man im August den Anbau mit Holzständer-Wänden auf, inklusive Einbau der Fenster. Es folgte der Dachstuhl als Verbindung von Alt- und Neubau. Anschließend bekam der alte Teil ein komplett neues Flachdach, welches aus Brandschutzgründen erneuert werden musste.

Fleißige Handwerker im Verein

Die MK-Vorstandschaft mit Philipp Schupp und Susanne Klamer betont: „Aufgrund des sehr knappen Budgets versuchen wir, so viel wie möglich selbst zu machen. Das ist nur möglich, weil wir im Verein gute und fleißige Handwerker und Leute vom Fach haben, wie Zimmerer, Elektriker, Flaschner, Installateure, Metallbauer und Allrounder.“ Auch im Dorf  hätten sie viel Unterstützung durch Handwerker und Unternehmen bekommen, z.B. spezielle Maschinen ausleihen können. Im September wurde außen isoliert und im Oktober soll noch verputzt werden, damit der Bau winterfest ist. Auch die Außenflächenbefestigung steht noch an. Über den Winter wird der Innenausbau in Angriff genommen und auch das soll komplett in Eigenleistung geschehen. Bis jetzt wurden schon rund 2000 ehrenamtliche Stunden von den Musikern und Helfern geleistet und es werden noch etliche mehr.

Carmen Notz, erschienen am 23.10.2019 auf www.wir-in-leutkirch.de

 

  

      

 

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